Tags: Buddhismus, Zen, Menschen, Leben Unbeständigkeit, Meditation, Spiritualität
Leiden überwinden mit Gleichmut.
Oder, wann bin ich gleichgültig und wann bin ich gleichmütig?
Heute war ich an einem Vortrag, der bekannten Zen-Lehrerin Beatrice Knechtle vom Haus Tao in Wolfhalden im schönen Appenzeller-Land. Sie ist anerkannte Zen-Lehrerin der Sati-Zen Sangha in der Tradition von Tich Nath Hanh. Das Thema des Abends war:
“Leiden überwinden mit Gleichmut”
Oder, wann bin ich gleichgültig und wann bin ich gleichmütig?
Gleichmut ist eine der “vier Brahmaviharas” oder die “vier Entwicklungsstufen der Liebe” den ” vier göttlichen Verweilungszustände”
und das sind:
liebevolle Zuwendung oder auch liebevolle Güte
Mitgefühl in Abgrenzung zum Mitleid, was mitleiden heisst: “du Armer. Ich leide mit dir.” Wenn wir mitfühlend sind, sagen wir in etwa “ich verstehe dich, aber zusammen finden wir vielleicht einen Weg.”
Freude,Mitfreude, im Sinne von, sich mit dem anderen freuen, im Sinne von nicht neidisch sein.
Gleichmut ist unabdingbar, um die anderen drei Brahmaviharas zu entwickeln.
Sie erzählte, dass in einem Kurs jeder auf einem Blatt Papier eine Liste über sein Leben aufstellen musste mit den Fragen: Wann war ich glücklich? Wann war ich unglücklich? Und welche Zeit war ich neutral, weder glücklich noch unglücklich. Eingeteilt in zehn Zeitabschnitten, ergab das eine Art Fieberkurve, wie eine Wellenlinie. Wenn man alle Blätter nebeneinander legt, dann sieht man keinen grossen Unterschied mehr. Bei allen gibt es ein auf und ab oder geradeaus. Jedes Leben ist einzigartig, nicht austauschbar. Wir alle müssen unsere Höhen und Tiefen bewältigen. Das gibt zwei Haupterkenntnisse.
Wir alle wollen glücklich und zufrieden sein.
und
Letztendlich haben wir es nicht im Griff.
Wir müssen lernen, liebevoll mit uns selbst umzugehen.
Unsere Gefühle voll und ganz wahrzunehmen.
Eine Geisteshaltung jenseits von ablehnen und anhaften entwickeln
Einen klaren und unaufgewühlten Geist entwickeln
Absolut offen gegenüber allen Situationen und Menschen sein.
Nicht-Anhaften an Freunde und keine Abneigungen gegen Feinde. Aushalten von Unangenehmem.
Tendenz von weg schauen überwinden.
Wut und Ärger geschehen lassen, sich nicht einmischen.
Nicht anhaften und nicht ablehnen.
Beatrice erklärte uns, dass um Gleichmut zu entwickeln, unsere Motivation stimmen muss, dass wir unser Herz öffnen müssen und eine hohe Achtsamkeit entwickeln sollen. Zudem brauchen wir eine Geisteshaltung jenseits von ablehnen und anhaften und auch jenseits von Parteilichkeit. Wir brauchen einen unaufgewühlten, klaren Geist, eine unaufgewühlte Unparteilichkeit. Wir müssen absolut offen sein, gegenüber allen Situationen und Menschen. Vollkommenes Nicht-Anhaften an Freunden, überwinden von Abneigung gegen Feinde. Alle gleich behandeln. Was aber sehr schwer ist.
Wie so oft, wenn ich über ein anspruchsvolles Thema schreibe, wo auch mein eigenes Verhalten gefordert ist, passieren Sachen, wie eine Art Test. Das Telefon läutet und ein Ex-Arbeitskollege, mit dem ich 29 Jahre zusammen gearbeitet habe, ist am Draht. Dieser Kollege ist genau die Sorte Mensch, die alles besser weiss und immer Recht haben will, ein auf die Länge, sehr unangenehmer Mensch. Ich bin gerade am Kochen und denke im Moment gar nicht an Gleichmut. Ich bin überrascht, dass gerade er mich anruft, ich bleibe freundlich, aber distanziert. Er fragt mich so Allerlei, das er aber nicht so genau wissen muss und ich gebe ihm ausweichend Antwort. Nach ca. zehn Minuten, weiss auch er nichts mehr und verabschiedet sich. Ich bin wieder am Kochherd, ich mache einen Gemüse-Risotto zum Mittagessen und sollte um 12 Uhr fertig sein. Da läutet das Telefon und mein “Freund” ist wieder am Apparat und entschuldigt sich, er müsse noch die Telefonnummer von einem Freund wissen. Ich bleibe ganz ruhig und gebe ihm das gewünschte und verabschiede mich. Im Nachhinein stellte ich fest, dass ich doch recht gleichmütig war.
Gleichgültigkeit ist eine kalte und distanzierte Haltung und ist der nahe Feind des Gleichmuts. Im Gegensatz zum Gleichmut der einer warmen und innerlich aktiven Haltung entspricht. Gleichmut ist auch verwandt mit der Geduld. Wenn jemand Gleichmut voll entwickelt hat, dann ist er oder sie kurz vor der Erleuchtung.
Wir müssen lernen, liebevoll mit uns selber umgehen. Unsere Gefühle, voll und ganz wahrnehmen.
Eine Geisteshaltung jenseits von ablehnen und anhaften entwickeln. Einen klaren und unaufgewühlten Geist entwickeln.
Absolut offen gegenüber allen Situationen und Menschen. Nicht anhaften an Freunde keine Abneigungen gegen Feinde.
Aushalten von Unangenehmem.
Tendenz von Wegschauen überwinden. Wut und Ärger geschehen lassen, sich nicht einmischen (bei mir selber) Wut und Ärger gehen von selber wieder weg.
Nicht anhaften und nicht ablehnen.
Gleichmut ist eine innerlich, aktive Haltung.
Gleichmut ist auch einer der 7 Erleuchtungsfaktoren.
Sie stellte uns eine hypothetische Frage; “wenn wir zu viert, eine neutrale Person, ein Freund und ein Feind und ich als Geiseln genommen würden und ich von dem Geiselnehmer vor die Entscheidung gestellt werde, welcher von den vier erschossen werden soll? Was für eine Entscheidung würde ich treffen?”
Einer der keine Unterscheidungen macht, einer der wirklich Gleichmut entwickelt hat, ein Bodhyisattva würde vermutlich sich selber opfern. In der heutigen Zeit scheint mir das schon ein bisschen Wunschdenken. Ich hab mir das gut überlegt, ich glaube ich würde versuchen positiv auf den Geiselnehmer einzuwirken und wenn das nicht geht, denjenigen der sich opfern muss auszulosen.
Ich habe eine Mail mit einem Komentar von der Zen-Lehrerin Beatrice Knechtle erhalten den ich euch nicht vorenthalten möchte, hier der Kommentar:
Ein kleiner Hinweis noch zur Geschichte mit dem”Banditen”: eine gleichmütige Person würde niemanden bevorzugen, d.h. auch nicht entscheiden sich selber zu opfern!, sondern gleichmütig und unparteisch bleiben.
Wir könnten dann nur vermuten, dass eine solch ausserordentliche Nicht-Reaktion im üblichen Sinne den Banditen irritieren würde – seine Aggression fände keinen Anhaltspunkt mehr – er würde vielleicht erkennen, dass ER es ist der entscheiden muss, also auch Karma auf sich lädt, und, was dazu kommt: diese gleichmütige Reaktion wird immer als warm (eben als Aspekt der Liebe!) umschrieben; dh. wir könnten spekulieren, wie wohl der Bandit dies erleben würde?! Nun, vielleicht ist die Reaktion des Banditen nicht so wichtig hier, sondern die Geschichte kann uns zeigen, wie ungewöhnlich und welch enorme Herzenskapazität Gleichmut eben ist.
Beatrice Knechtle
Trotzdem können auch wir Gleichmut entwickeln, auch wenn wir noch keine Bodhisattvas sind. Erst wenn wir erkennen, das wir nicht so wichtig sind, wie wir glauben, erst dann sind wir fähig liebevolle Güte, Mitgefühl, Freude(Mitfreude) zu entwickeln, quasi als Ergänzung werden wir Gleichmut entwickeln. Wie diese
“vier Brahmaviharas” oder die “vier Entwicklungsstufen der Liebe” den ” vier göttlichen Verweilungszustände” keines ohne das andere wirken kann, ist auch sonnst alles im Universum miteinander verbunden. Alles entsteht in Abhängigkeit von anderem und nichts ist vom anderen getrennt.
Gleichmut-Meditation:
Alle fühlenden Wesen verlangt es nach Glück und nicht nach Elend. Denke tief darüber nach, dass es in diesem anfangslosen Kreislauf der Existenz nicht ein einziges fühlendes Wesen gibt, das nicht schon Hunderte Male dein Freund oder Verwandter gewesen ist. Da es also keinen Grund gibt, einigen anzuhaften und andere zu hassen, werde ich gegenüber allen fühlenden Wesen ein Gefühl des Gleichmuts entwickeln.
Beginne die Meditation über Gleichmut mit dem Gedanken an eine neutrale Person und danach betrachte Menschen die Freund und Feinde sind.
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Verstanden habe ich den Vortrag, aber bis ich das einigermassen verwirklichen kann braucht es noch ein Weilchen. Ich arbeite daran.
7.12.2007 zentao
aktualisiert 5.6..2008























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Lieber Zentao,
danke für Dein schönes Post welches ich “zufällig” an dem heutigen Tage lese, wo ich mir genau diese Gedanken gemacht habe. Leiden überwinden mit Gleichmut bedeutet für mich zur Zeit, das Schicksal so anzunehmen, wie es zu mir kommt, aber trotzdem die Dinge weiterhin zu tun, die getan werden müssen. Das und die Rückkehr nach innen hilft mir zur Zeit sehr und gibt viel Kraft.
Liebe Grüße,
Dori
Hallo,
ich finde dieses Thema sehr wichtig und habe in meinem Blog im Tagebuch darauf verlinkt.
Liebe Grüße,
Astraryllis.