Tags: Achtsamkeit, Alltag, Augenblick, Buddhismus, Glück, Leben, Menschen, Weg, Weisheit
Am Freitag war wieder Meditation angesagt, nach 2 Wochen Thailand, nach dem Besuch all dieser schönen Tempel und Pagoden, hatte mich der Alltag wieder, das heisst selber Praktizieren, selber hinsetzen auf das Zenkissen und alle Gedanken vorbeiziehen lassen. Der Freitagstext, wie ich ihn hier nenne, war dieses mal ein sehr schöner Dharmatext über Bewusstheit von Stephen Batchelor Nach all dem Aufnehmen von Reiseeindrücken, tat mir dieses Bewusste Sitzen gut, diese Stille, bewusst abschalten und dann dieser Text über Bewusstheit, lest selbst.
Bewusstheit
Man kann Meditation als formale Praxis betreiben, ein- oder zweimal am Tag für jeweils eine halbe Stunde oder so, aber ihr eigentliches Ziel ist es, frisches Bewusstsein in alles hineinzutragen, was wir tun. Ob ich gehe oder stehe, sitze oder liege, ausruhe oder arbeite, allein oder in Gesellschaft bin – stets versuche ich die gleiche Aufmerksamkeit walten zu lassen.
Bewusstheit ist ein Prozess des zunehmenden Annehmens unserer Selbst. Sie ist weder kühle Zergliederung des Lebens noch das Mittel, mit dem man sich vollkommen macht. Was sie wahrnimmt, das umfängt sie. Es gibt nichts, was dieses Annehmens unwürdig wäre. Das Licht des Bewusstseins wird zweifellos auch auf Dinge fallen, die wir lieber nicht sehen würden. Und das kann einen Abstieg ins Verbotene, Verdrängte, Verleugnete notwendig machen.
Gesammeltes Bewusstsein ist ebenso ruhig wie klar. Ruhe wird von Rastlosigkeit und Ablenkung verhindert, Klarheit durch Langeweile und Lethargie untergraben. Zwischen diesen beiden Polen wandernd, verbringen wir einen Grossteil unserer Zeit, entweder leicht überdreht oder leicht gedrückt.
Auch hohe Dosen von Expertenrat aus dem mystischen Osten werden dieses Problem nicht lösen, denn Rastlosigkeit und Lethargie sind nicht einfach geistige oder körperliche Leistungslöcher, sondern Ausdruck einer existenziellen Grundbedingung. Gesammelte Bewusstheit ist nicht deshalb schwierig, weil wir irgendeine spirituelle Technik nicht recht beherrschen, sondern weil sie unsere Vorstellung von uns selbst erschüttert. Das so harmlos anmutende Verweilen beim Atem, die stille Betrachtung all dessen, was sich in Körper und Geist tut, lässt einen Widerspruch erkennen zwischen dem, was wir sein möchten, und dem was wir tatsächlich sind. Rastlosigkeit und Lethargie sind zwei der Wege, die uns an diesem peinlichen Widerspruch vorbeiführen.
In solcher Verfassung kann es sinnlos sein, die Aufmerksamkeit immer wieder zum Gegenstand der Meditation zurückzuzerren. Statt dessen sollten wir lieber den Entschluss überprüfen, der unsere Dharma-Praxis trägt. Machen wir uns also unsere Motivation klar mit der Frage: „Weshalb tue ich das hier?“
Oder wir vergegenwärtigen uns noch einmal die Gewissheit des Todes und die Ungewissheit der Zeit seines Eintretens und schliessen mit der Frage: „Was soll ich tun?“
Solche Überlegungen können uns auf den Boden jener Wirklichkeit zurückholen, an der Rastlosigkeit und Lethargie unbedingt vorbeikommen wollen. Von der Basis eines klaren und festen Entschlusses aus kann eine gesammelte Bewusstheit entstehen, die sich auf alle Bereiche der Erfahrung erstreckt. Anfangs sind es nur gelegentliche Augenblicke, aber nach und nach wird eine von Augenblick zu Augenblick aufrechterhaltene Achtsamkeit daraus. Nicht dass dann keine Anfälle von Rastlosigkeit und Lethargie mehr vorkämen; aber ohne Zweifel steht dem Bewusstsein die Möglichkeit offen, immer wacher zu werden.
Blog der Tao-Meditationsgruppe Wettingen
28.02.2011 gepostet von zentao























Ja Stephen Bachalor muss man lesen, er wiederholt nicht Worte, er denkt selber und geht seinen Weg, durchaus im Sinne von Buddha, sehr konsequent.
Liebe Grüsse zentao
Lieber Rainer
ja das ist attraktiv und man fühlt sich nach so einem bewussten Sitzen, richtig wach und erholt. Danke Dir, dass Dir meine Beiträge immer noch gefallen.
Liebe Grüsse zentao
oh, vielen dank für den hinweis auf stephen batchelor,könnte sein, dass er meine aktuelle zen-krise wieder in ein anderes licht rückt, werde lesen!
Lieber Zentao,
diese gesammelte Bewusstheit klingt in meinen Ohren sehr attraktiv.
Liebe Grüße an den Globetrotter