Tags: Buddhismus, Leben, Menschen, Zen, Zengeschichten, Alltag, Anstrengung, rechte Anstrengung, achtfacher Pfad, Meditation, Achtsamkeit, Geschichten
Dharma-Vortrag von Marcel Geisser vom 24.11.2008 in Zürich
Heute war ich wieder einmal an einem Dharma-Vortrag von Marcel Geisser vom Haus Tao in Wolfhalden im schönen Appenzellerland. Zur Einstimmung machten wir eine kleine geführte Meditation.
Zu Beginn der Meditation erinnerte er uns an die Hauptpunkte der Meditation und deren Möglichkeiten. Sitzen wir auch richtig, nicht zu steif, dass uns alles weh tut und nicht zu locker, so dass wir einschlafen, und genau da beginnt Rechte Anstrengung, es gibt da zwei Extreme, wir übertreiben oder wir sind zu lässig.
Jetzt habe ich auf der Seite vom Haus Tao den ganzen Vortrag gefunden als Audio “Rechte Anstrengung” hier anklicken
Sangha Zürich November 2008
Schweizerdeutsch, (Vortragsdauer 1hmin
Wenn wir sitzen, sind wir achtsam auf den Atem und vergegenwärtigen uns in diesem Augenblick: was nehme ich war? Jetzt in diesem Augenblick den Glockenschlag vom nahen Kirchturm, unseren Atem, die Autos oben auf der Strasse. Die Unruhe des Sitznachbars. Wir beobachten unsere momentane körperliche Befindlichkeit, sind wir müde oder sind wir wirklich wach, wie ist unsere Stimmung? Wir machen eine wertfreie und absichtslose Auslegeordnung, was ist los mit mir, in diesem Augenblick.
Offenes und faires urteilfreies Sein – wir werden uns bewusst über die Stille im Raum – Während der Meditation bleiben unsere Sinnestore offen, wir sitzen mit einer inneren Haltung von Offenheit und Weite, die Geräusche, die wir hören gehen durch uns hindurch. Wir lassen alles einfach geschehen, was auch ist, es ist so in Ordnung. Wir sind ganz transparent und wenn wir wirklich transparent sind dann müssen wir uns vor nichts fürchten.
Um uns die Rechte Anstrengung näher zu bringen, erzählte uns Marcel die Geschichte von Buddha Shakyamuni, der einen Sitarspieler fragte wie er denn die Saiten an seinem Instrument einstimme und der Musiker antwortete; “nicht zu fest aber auch nicht zu locker, dann gibt es einen schönen Ton” und genau so müssen wir unsere Sitzhaltung einstimmen.
Wir legen sehr viel Wert auf die Meditation und doch sind von den acht Teilen des achtfachen Pfades nur zwei, die die Meditation betreffen: Rechte Achtsamkeit, das ist die Beobachtung des Atems, des Körpers, der Gefühle, des Geistes und den Geistesobjekten (Gedanken, Wünsche, Gefühle) und Rechte Sammlung, welche die Fertigkeit den unruhigen und abschweifenden Geist zu sammeln bezeichnet.
Marcel erzählte uns eine Geschichte von einem jungen Banker, der auch meinte Rechte Anstrengung sei immer mehr arbeiten, bis ihm seine Frau ultimativ erklärte, entweder habe er ab sofort mehr Zeit für seine Familie oder sie verlasse ihn mit den Kindern. Dieser Mann war zu Beginn schockiert, weil er meinte er habe doch alles getan und dass es seiner Familie an nichts fehle. Es fehlte eben doch etwas, er und seine Liebe. Auch er verwechselte Rechte Anstrengung mit viel Arbeit.
Aber um bis zu diesem 6. Punkt zu kommen müssen wir erst einmal wissen was wir wollen, und da kommen wir zur Rechten Erkenntnis, das sind die Erkenntnisse von den vier Wahrheiten. Die Erkenntnisse von heilsam und unheilsam. Vom Töten ablassen, nicht nehmen was einem nicht gegeben wurde, Habgier ist unheilbar unheilsam, üble Ansicht ist unheilbar unheilsam. Dieser Punkt zeigt uns die Richtung im Leben an, wohin uns dieser Weg führt, und wenn wir das begriffen haben, dass weniger oft mehr ist, dann kommen wir zum zweiten Punkt. Wenn wir dauernd falsch denken, müssen wir wissen was Rechtes Denken ist, im Sinn von rechtem wollen, den rechten Entschluss fassen, auf Unheilsames verzichten, hin zu hasslosem friedlichem Denken. Ärger, Wut und Hass sind unheilbar unheilsam. Wir müssen uns immer wieder fragen: ist das, was ich tue oder das was ich denke, ist das heilsam oder ist es unheilsam? Wir lernen unterscheiden von heilsam und unheilsam, das ist von fundamentaler Bedeutung.
In einem alten Zen-Gedicht heisst es nämlich.
Wo Liebe und Hass ohne Bedeutung sind, da ist der Himmel Wolken los.
Alles was das ICH vergrössert, ist leidbringend und alles was das ICH vermindert ist heilsam. Es kann so einfach sein: aufhören zu Kämpfen und den Widerstand aufgeben. Diese acht Punkte des achtfachen Pfades sind miteinander verbunden, darum kann man nicht einfach bei Punkt eins anfangen und bei Punkt acht aufhören.
Die nächsten drei Punkte sind:
Rechte Rede, nicht lügen, nicht über andere Leute schlecht reden, rohe Rede und leeres Geschwätz sind unheilbar.
Rechtes Tun oder auch rechtes Handeln. Nicht stehlen nicht töten, keine sexuellen Handlungen, die Leiden verursachen.
Rechter Lebensunterhalt Fünf Handelsarten sollte man vermeiden: Handel mit Waffen, mit lebenden Wesen, mit Fleisch, mit berauschenden Getränken und mit Gift und Drogen. Das scheint klar und doch suchen viele Menschen, immer wieder das schnelle Geld und machen sich selber unglücklich. Es ist also wichtig wie wir unser Geld verdienen. Hier ist es wichtig das man einen Beruf wählt, wo man das auch einhalten kann. In der heutigen Zeit auch nicht immer leicht.
Wie wir sehen sind alle acht Pfade miteinander verbunden und wenn wir Rechte Anstrengung praktizieren müssen wir alles einbeziehen. Achtsamkeit, Spannung, Entspannung, unsere Sinnesorgane. Aktiv etwas in die Tat umzusetzen und dabei immer beachten, strengen wir uns an oder sind wir auch wirklich präsent.
Auch da gibt es eine schöne Geschichte: Ein Schüler kommt zu seinem Meister und fragt ihn; wenn ich mich anstrenge, wie lange brauche ich bis zur Erleuchtung.? Der Meister antwortete: 10 Jahre. ” Aber Meister wenn ich mich noch mehr anstrenge, wie lange brauche ich dann, bis zur Erleuchtung? Der Meister antwortete: 20 Jahre. ” Der Schüler gab noch nicht auf und fragte: „wenn ich mich aber jeden Tag noch mehr anstrenge, wie Lange brauche ich bis zur Erleuchtung?“ Der Meister antwortete: „mehr als 30 Jahre.“
Wenn wir zu viel wollen und an uns selber zu hohe und unrealistische Erwartungen stellen, erreichen wir genau das Gegenteil von dem, was wir ursprünglich wollten.
Um das zu vermeiden sollten wir folgende 4 Punkte beachten.
1. Vermeiden von Unheilsamem.
2. Überwinden von Unheilsamem.
Es gibt da zwei Geschichten aus der Zeit vom Buddha aus dem alten Indien.
Ein Mann erwachte im brennenden Haus, die Nachbarn wollten ihn retten, er beharrte aber darauf, dass er zuerst wissen wolle wer das Haus angezündet habe, erst dann werde er das Haus verlassen.
Und die zweite Geschichte handelt von einem Mann, der einen Giftpfeil in der Schulter stecken hatte und zuerst wissen wollte ob der Mann der den Pfeil geschossen hat eventuell von einer niederen Kaste sei.
Das scheint jetzt fast ein wenig übertrieben, aber solches Denken gibt es auch heute noch oft. Bei uns streiten die Nachbarn, oft wegen einer Bagatelle und beschäftigen Anwälte, bis das Vermögen aufgebraucht ist. Solches denken ist offensichtlich auch unheilsam.
3. Erschaffen oder fördern von Heilsamem. Die Frage muss hier heissen erschaffen wir Heilsames und was will ich wirklich?
4. Bewahren, erhalten von Heilsamem, im Sinne von Anteilnahme, zuhören, Zuwendung, Lob, Hilfe, Nächstenliebe. Auch in der Meditation fördern wir Heilsames.
Heilsames ist immer sofort wirksam und wenn wir mal wirklich nicht mehr wissen was heilsam oder unheilsam ist, dann sollen wir den Tod fragen, das sei immer ein guter Ratgeber.
Und zum Schluss noch der einfachste Weg, wie wir Unheilsames in Heilsames umwandeln können:
Ändere deine Gedanken und du änderst dein Leben.
Dieser Dharma-Vortrag von Marcel Geisser nacherzählt von zentao 25.11.2008
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